Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen

Seit dem 1. April 2016 gilt in Österreich ein neues Tierschutzgesetz. Einer der vorbildlichen Schritte für mehr Tierschutz ist die Pflicht zur Kastration von Freigänger-Katzen. Seit Beginn der Maßnahmen vor etwa zehn Jahren wurden durch die Förderung von Land, Tierärztekammer und Gemeinden über 16.000 Streunerkatzen im Land kastriert. Die Novellierung des Gesetzes schreibt nun auch der letzten Gruppe der Freigänger-Katzen – denen auf Höfen und Privatgeländen – die Kastration vor.

Auch in Deutschland könnte der Handlungsbedarf nicht größer sein: Mit einer Population von insgesamt zwei Millionen Streunerkatzen haben wir unumstritten ein Problem. Bis zu 30.000 herrenlose Katzen streunen durch Hamburg und München; in Berlin sind es sogar rund 100.000.
Die herrenlosen Tiere sind in der Regel ehemalige Hauskatzen und deren Nachkommen. Sie leben in verlassenen Gebäuden, in Hinterhöfen oder Parks. Kaum ein Mensch fühlt sich für sie verantwortlich – und schon gar niemand möchte die Tierarztkosten für eine Kastration oder Behandlung von Krankheiten tragen. So nimmt das Leid der Katzen in Deutschland seinen Lauf: Hauskatzen mit Freigang und Streunerkatzen paaren sich – mit erschreckenden langfristigen Folgen: Unkastrierte Katzen können zweimal im Jahr vier bis sechs Junge werfen. Hochgerechnet erhält man auf eine Katze und ihre Nachkommen innerhalb von sieben Jahren eine Katzenfamilie von 420.715 Tieren (siehe Grafik). Abgesehen vom stetigen Leid der Streunertiere durch Krankheiten, Hunger und die Gefahren des Straßenverkehrs, sind die deutschen Tierheime maßlos überfordert. Aufnahmestopps wegen Überfüllung sind mittlerweile Alltag.

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