Protest vor dem Schlachthof in Bergheim! Unser alljäjhrlicher Allerheiligen-Brief!

Protest vor dem Schlachthof in Bergheim! Unser alljäjhrlicher Allerheiligen-Brief!

 

Die Finsternis der Nacht hat den Tag längst besiegt. Mit ihr ist die Kälte zurückgekommen, nichts ist mehr übrig geblieben von der Sanftheit des späten Herbstnachmittags wo wärmende Sonnenstrahlen für kurze Augenblicke leise Hoffnung versprachen; die Sonne schläft längst und hat zu dieser Jahreszeit nicht mehr die Kraft ihre Wärme in Stein, Beton und Asphalt für die Nacht zu speichern.

Foto: gestern konnten die PassantInnen wieder eine schaurige Darbietung an der Schlachthofzufahrt bezeugen – RespekTiere-AktivistInnen gedachten der Seelen der Ermordeten… und die Tiertransportfahrer blickten verschämt zur Seite… Sanfte Nebelschleier bedecken die Landschaft, schwermütig, so als ob sie die hässlichen Wunden in ihr vor den Augen gütiger BetrachterInnen verstecken wollten. Und wahrlich, Wunden sind es, die ‚Mensch‘ hier aufgerissen hat, Karzinome, direkt am Nerv des Lebens.

Es ist ein Ungeheuer aus Stahl und Beton, ein Ort, der im Laufe so vieler Jahre so viel Schreckliches in sich gespeichert hat, dass selbst die Luft rings herum anders erscheint als anderswo, ja sogar anders schmeckt – tatsächlich, jeder Atemzug scheint in der Lunge zu brennen, schmerzlich, reißt Erinnerungen auf, ungeborene Gedanken; das hier ist ein Ort des Todes, und selbst die Menschen die hier arbeiten, bilden da keine Ausnahme; längst sind sie innerlich gestorben, haben kapituliert gegen die bleierne Schwere einer alles verzehrenden Energie, ständig wachsend, addierend, genährt von den Körpern und Geistern abertausender Unschuldiger, deren Blut die Erde unter ihnen längst in ein Meer des seelenlosen Irrsinns verwandelt hat. Wie könnte der menschliche Geist mit dieser Zusammensetzung zurechtkommen? Es ist ihm unmöglich, und sobald er in deren Bann gezogen wird, erstickt der Keim der Humanität, chancenlos, bis zur Potenz überfordert mit der Schwere dessen, was die Augen bezeugen müssen..

 

Heute, nach dem Tag der Heiligen, am Tag der Seelen, fragen wir uns: warum – so ein Schöpfer existiert – warum lässt Gott das zu?

Tut er es wirklich? Die Antwort ist eine einfache – nein, das würde es nicht, niemals; aber Gott schläft, schläft in unseren Herzen, wir erwecken ihn/sie nicht mehr; wir sind selbstgefällig geworden, suchen nicht seinen/ihren Beistand, aber Gott, heilige Materie, braucht unseren Glauben zum Existieren. Ohne Glauben ist selbst der Schöpfer/die Schöpferin machtlos, ohnmächtig!

Gott hat ‚Mensch‘ geschaffen, genau wie unsere Brüder und Schwestern um uns, jene mit Federn, mit Flossen, mit Flügeln, mit vier- oder mit zwei Beinen, jene die am Boden kriechen, die im Wasser schwimmen, sich in die Lüfte erheben können, jene, die in deren Rinde Jahrhunderte der Weisheit in sich gespeichert haben und jene, die im Sommer in alles überstrahlender Schönheit erblühen, nur um im Winter ihre Köpfe mutlos gegen den Himmel zu strecken, jedoch immer im Wissen, dass einem unumstößlichen Gesetz der Natur folgend ihre Zeit in wenigen Monaten wieder kommen wird; und Gott geriet in einen Rausch aus Farben und Formen und Eigenschaften, formte und vollendete, ruhelos, rastlos; erstrahlte in selbst für göttliche Energie nie gekannter Kreativität und Schaffenskraft; nimmermüde, Tag ein Tag aus, Monate, Jahre hindurch; und plötzlich war alles erfüllt von Leben, gackerte, kicherte, fauchte, blubberte vor sich hin, Leben um des Lebens Willen – und immer noch etwas hatte Gott zu vergeben – Liebe und Güte! Und ein kleines nacktes Wesen hielt sich zurück, zu sehr von sich selbst eingenommen, um Liebe oder Güte als Geschenk zu betrachten. Und Mensch war totenstill. Friede und Ehre war als nächstes dran – und wieder gebar sich Mensch ganz zurückhaltend. Bescheidenheit und Mitgefühl, darüber konnte das nackte Wesen nur wissend lächeln – und ging erneut leer aus.

 

 

Dann wurde es ruhig, kehrte Harmonie ein! Gott blickte zufrieden zur Seite, müde und glücklich; er betrachtete die ungeheure Vielfältigkeit und murmelte: ‚So soll es sein!‘. Doch gerade als er sich zurücklehnen wollte, den Lohn der Arbeit genießend, da erspähte er ein Häufchen Elend, zusammengekauert, plötzlich angsterfüllt und alleine. Gott sah nun wie nackt es tatsächlich war, kein wunderschönes Federkleid erhalten hatte, keinen wärmenden Pelz, keine Schuppen, mit welchen sich das Wasser zerteilen ließ; dieses Wesen hatte keine Zähne, um fleischliche Nahrung zu reißen, kein Verdauungssystem, welches Aas und toter Materie verarbeiten konnte, er hatte zu langsame Beine, um mit den Tieren des Waldes und des Feldes und der Steppe mitzuhalten; es hatte keine Klauen, um nach Nahrung zu graben, Nüsse zerbrechen zu können – dieses Wesen war ganz offensichtlich der einzige Punkt seiner/ihrer Schöpfung, welcher nicht vollendet war, beim Verteilen all der wunderbaren Eigenschaften und ‚Ausstattungen‘ zu kurz gekommen sein musste; und Gott hatte Mitleid… fast schon übermannt von unendlicher Müdigkeit, am Ende seiner Kräfte nach all den Anstrengungen, dachte er sich für ‚Mensch‘, dieses offensichtlich zu kurz gekommen Wesen in seinem göttlichen Plan, etwas ganz besonderes aus, denn er/sie hatte Erbarmen mit ihm; dass er ihn so nackt und hässlich gelassen, fast auf ihn vergessen hätte; doch nun war nichts mehr da zu geben, all die göttliche Kreativität schien ausgeschöpft; alles war verteilt und so musste jegliche Vergabe an ‚Mensch‘ eine bloße Kopie dessen sein, was schon geschaffen worden war.

Gott dachte kurz nach und mit mildem Lächeln – er/sie wäre nicht Gott, wenn ihm/ihr nun tatsächlich nichts mehr eingefallen wäre – griff er /sie noch ein letztes Mal in den Zauberkasten der Evolution. Gott dachte, wenn ‚Mensch‘ schon sonst nichts hat, dann, statte ich ihn mit Kreativität und Schaffenskraft aus, mit 2 Händen, die greifen und festhalten, gestalten, formen – und, darauf vergaß Gott in diesem Augenblick – die töten können!

Und ‚Mensch‘ lachte erstmals, weniger ängstlich nun, mit ersten Anflügen von Selbstsicherheit. Gott lachte zurück, denn nun sollte die Schöpfung abgeschlossen sein, alles schien am richtigen Platz. Alles schien gerecht verteilt, und ewiger Friede könnte herrschen zwischen allen Wesen, jedes mit dem zufrieden, was ein gerechter Schöpfer gegeben hatte!

Und Gott selbst war zufrieden! Und Gott war müde. Jetzt, wo Genesis vollbracht, jetzt konnte er sich zurücklehnen. Und Gott schlief ein und fiel in einen tausendjährlichen Schlaf. Vollkommen überzeugt, jedes Wesen seinen Platz im Weltgefüge gegeben, alle mit gleichen Rechten ausgestattet zu haben. Mit Fähigkeiten, die sich ineinander aufwogen und ergänzten, damit ein Gleichgewicht geschaffen sein würden. Ein Lächeln umspielt seine/ihre Lippen, während er/sie zufrieden schlief… und nichts bemerkte davon, wie Mensch plötzlich mächtig wurde, und immer mächtiger. Sein Wesen, unendliche Neugierde gepaart mit nicht zu befriedigendem Forschungsdrang, zeigte sich noch immer tief verletzt von der Schaffenspause, welche Gott an ihm eingelegt hatte. Sein Geist war deswegen rachsüchtig geworden, klein und hässlich, plötzlich jedoch mit Überlegenheit gesegnet; Überlegenheit, die auserwählt war, um Gerechtigkeit walten zu lassen, ein Gleichgewicht herzustellen; ‚Mensch‘ litt aber noch immer an mangelndem Selbstwertgefühl, und eine Kombination dieser Eigenschaften sollte aus ihm in sehr kurzer Zeit ein äußerst gefährliches Wesen gestalten – ein Raubtier, dessen Hunger nie gestillt sein wird, bis es auch noch das allerletzte andere Wesen von seiner Überlegenheit restlos überzeugt; und Überzeugung bedeutet in seiner verworrenen Vorstellung Unterjochung, Ausbeutung, ja sogar Genozid, die totale Ausrottung! So machte sich dieses Wesen alsbald daran die Schöpfung umzugestalten. Gott muss stolz sein, dachte er; doch im selben Augenblick setzte er sich über Gott hinweg, erachtete sich als seinesgleichen … und wurde selbst zu Gott, aber zu einem tyrannischen, despotischen Irrläufer, einem Satan, der von nun an fortwährend seine eigenen Menschlichkeit untergrub. Er schuf Todeslager, Tierkonzentrationslager, schuf ein perfektes Ausbeutungssystem, welches in all dessen tödlicher Effizenz Schöpfer selbst nicht perfekter hätte schaffen können. Gott schlief noch immer, er/sie war so müde, dass ihn/sie nicht einmal die Todesschreie der sterbenden und Leidenden wecken konnten. Und Mensch wusste: Gott, der Schöpfer, kann nur erwachen, kann nur leben, wenn wir uns seiner erinnern; er lebt in uns und mit uns, jedoch nur, wenn wir den Glauben an ihn/sie nähren; tun wir es nicht, stirbt er/sie wie eine Pflanze ohne Licht; er/sie wird einfach verwelken, erstarren in Stummheit. Und würde das passieren, wären wir dann nicht selber Gott? ‚Mensch‘ fasste nun einen eigenen Plan seines Universums, und in diesem Plan hatte ein gerechter Gott keinen Platz mehr; ‚Mensch‘ wollte Gott sterben lassen, die Erinnerung an ihn ausradieren, ein für alle Mal aus den Gedanken löschen, sich selbst befreien.

Und so vergaß Mensch Gott, begrub auch den letzten Gedanken an dessen Güte ganz tief im Herzen; Mensch erfand seinen eigenen Gott, eine Gott des Krieges, einen Gott seiner impertinenten eigenen Überlegenheit; er legte diesem neuen Gott falsche Worte in den Mund und verherrlichte ihn – doch in Wahrheit verherrlichte er nur sich selbst, denn den Gott, den er nun anbetet, ist sein Spiegelbild…

 

 

Und Gott schläft immer noch; er wird von Tag zu Tag müder und immer weniger spüren wir seinen Atem, seine Liebe und seine Zuneigung. Gott liegt im Sterben, ganz gewiss. Und je weniger wir an ihn glauben, desto schwächer wird sein Herzschlag; desto mehr wir ihn aus unserer Erinnerung vertreiben, desto massiver erblasst sein Wirken, desto schneller stirbt sein Werk. Gott hat in vielen Herzen bereits aufgehört zu existieren, und in noch mehreren ist er bloß als ein Hauch von angestaubter Sentimentalität zurückgeblieben, ein Relikt aus uralten Zeiten; ein verklärtes Symbol, in einer Epoche, wo Symbole längst ihren Status als Leuchttürme und Wegweiser verloren haben.

Dies ist eine Anklage an die heilige katholische Kirche, deren Oberketzer – und nicht anders sind jene zu bezeichnen, die sich von der Lehre ihres eigenen Lehrmeisters abgewendet und Eigeninterpredationen zugewandt haben – das Schicksal der Tiere hinnehmen, es sie niemals berührte und berührt; mehr noch, sie haben Verrat betrieben, seit Jahrhunderten, Verrat am Leben selbst! Sie haben die Tiere ausgeschlossen aus einer von Gott gewollten Gemeinschaft, in welcher nur die Menschheit selbst ‚gemein‘ ist; sie haben uns mit ihren hässlichen Worten entzweit von der Schöpfung, haben ihren eigenen Gott verraten, Völlerei – eine Todsünde – betrieben an den Wunden der Genesis. Und sie betreiben sie weiterhin, ohne zu zögern, ohne nachzudenken, ohne mit der Wimper zu zucken. Gieren nach dem Fleisch der Wehrlosen, denen sie jegliche Rechte in gar dümmlichen Worthülsen aberkennen.

Die heilige katholische Kirche hat sich mit unauslöschlicher Schande bedeckt, seit jenem Tag, wo sie ihre eigenen Mitglieder als gottgleich dargestellt und alle andere Schöpfungen aus dem Kreis des Lebens ausgeschlossen hat, ihre Führer als Vertreter Gottes auf Erden erkoren, an der Not der Welt Geld gescheffelt, Krieg und Leid und Elend kampflos akzeptiert hat; die Vertreter Gottes sind schweigsam dieser Tage, sie stellen sich nicht erdlichen Problem; sie verdammen das Kondom, sprechen dem Mitgeschöpf, welches ihre Teller ‚ziert‘ und ihre Mägen füllt, die Seele ab – dabei fehlt es ihnen selbst daran, die ihren sind von Heuchelei und Raffgier endgültig besiegt..

 

‚Es herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Mensch auf dieser Welt das einzige vernunftbegabte Wesen ist. Einzig der Mensch, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes, besitzt hinsichtlich seines Handelns die Möglichkeit einer freien Entscheidung. Nur er kann eine bewusste Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten treffen, kann sich so oder so entscheiden. Er allein ist fähig seinem Handeln eine Zukunftsperspektive zu geben. Er allein ist in der Lage die Folgen seines Handelns abzuschätzen um voraussehbare negative Folgen zu vermeiden.‘

‚Als alleiniger Träger der Vernunft hat der Mensch die Möglichkeit als Sachverwalter für Gottes Schöpfung darüber hinaus das Recht, die ihn umgebenden Tiere und Pflanze sowie die unbelebte Natur zu ‚nutzen‘.‘,

Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz, 4. Oktober 1993

 

Triefen diese Zeilen nicht geradezu von Überheblichkeit, eine Überheblichkeit selbst Gott gegenüber? Wie kann der Schreiber dieser Worte einen derart vernichtenden Eindruck als allgemein gültige These wiedergeben, ohne dabei nicht in Schamesröte zu verfallen? Was nimmt ‚Mensch‘ sich heraus, sich als ‚Gottes Ebenbild‘ zu betrachten? Wir, die alleinigen Träger der Vernunft? Gerade wir, die wir unsere eigene Lebensader zerstören, unentwegt in den Eingeweiden unserer Mutter Erde wühlen, selbst Individuen der eigenen Gattung mit Hass und Ausgrenzung strafen, die dem imaginären Symbol ‚Dollar‘ hoffnungslos unterlegen, ausgeliefert sind? Die wir uns selbst in Kriegen vernichten, mit Waffen, welche unseren gesamten Planeten in Sekundenbruchteilen zu Sternenstaub verwandeln könnten?

Wir, die wir von Habgier und Intoleranz, von Sucht und Neid und Aggression geradezu befallen sind? Die wir an einer Krankheit leiden, die schlimmer ist als alles je gewesene, eine Krankheit, die sich ‚Selbstherrlichkeit‘ nennt?

 

 

Doch die Kirche geht sogar noch einen Schritt weiter – in einer totalen Fehlinterpretation der ‚Hubertus-Geschichte‘, wo Jesus einem Jäger namens Hubertus dessen Tun vor Augen führte und ihn von der Heiligkeit alles Lebens lehrte, gibt sie heute den Waidmännern ein zu Hause, ein Dach über den Kopf, und sanktioniert deren Tun auf gar heidnische Art und Weise, feiert tatsächlich als Innbegriff des Götzendiensts mit diesen regelrechte ‚Opferfeste‘; besagter Jäger entsagte – jedermann/frau weiß das – nach dem Zusammentreffen mit Jesus, der verkörperten Menschlichkeit, dem Morden in Wald und Flur. Dennoch, wie kann man den Fortgang der Geschichte anders bezeichnen als ‚purste Schizophrenie‘, eine Bewusstseinsspaltung in Reinkultur, muss der arme Hubertus heute herhalten als Schutzpatron jener, von welchen er sich so eindeutig abgewandt hatte??? Bei einer solchen ‚Jäger-Messe‘, dem ‚Erntedankfest‘ der Grünberockten, im Wiener Stephansdom, an einem der heiligsten Orte der österreichischen Christenwelt abgehalten, sprach Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, 2010 folgende eindrucksvollen Worte:

‚Herr, Du hast uns zu Jägern und Hegern berufen. Gib, dass wir Dich in jeder Pflanze und in jedem Tier als Schöpfer erkennen und Dir für den uns anvertrauten Reichtum der Natur danken.‘

 

‚Wie bitten Dich erhöre uns‘, ist die Antwort des Kirchenvolkes. Fürbitten, nennt man es, eine achtlose Aneinanderreihung von sinnentleerten Wortfragmente, nicht mit der Sprache des Herzens gesprochen, nur ein Wiederkäuen der Stimmbänder; tausende Male wiederholt ohne den Verstand zu bemühen, eine Bankrott-Erklärung des Geistes.

 

Ist das die Möglichkeit? Dr. Vocke, der im Deutschland jener Tage übrigens beleidigt einen Prozess gegen das ‚Universelle Leben‘ geführt hatte, weil dieses ihn mit ‚Lustmörder‘ titulierte, möchte also Gott in jedem Tier erkennen – richtet er aber im Umkehrschluss dann nicht seine Waffe gegen seinen Gott selbst, in der Absicht zu töten? Wir erachten Dr. Vocke als bestimmt sehr intelligenten Mann, aber gerade darum bietet seine Aussage nur einen zulässigen Schluss: entweder er belügt sich hier selbst oder aber er belügt uns, verkauft uns für dumm – und stellt sich dabei auch noch unter den Scheffel einer präpotenten Scheinheiligkeit…

Dr. Peter Lebersorger, der Generalsekretär der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, war der nächste Fürbittensprecher:

‚Herr, du gabst allen Menschen Wald und Natur zur Erholung und Entspannung. Lass die Besucher sich wie Gäste benehmen, damit wir die Vielfalt und Schönheit Deiner Schöpfung an unsre Nachkommen weitergeben können.‘

Alle: ‚Wir bitten Dich erhöre uns.‘

 

Entspannung nennt er es, wenn die Waidmänner das blutige Handwerk des täglichen Massakers in unseren Schlachthöfen auch auf den Wald ausdehnen? ‚Lass die Besucher sich wie Gäste benehmen … wie gerne haben wir Besuch mit der Waffe in der Hand … damit wir die Vielfalt der Schöpfung an unsere Nachkommen weitergeben können‘. Wie wohl? Als Rehrücken, gemordetes Leben, zerstückelt und zerteil, auf einem Teller serviert?

 

Dass die Kirche nichts dazu gelernt hat, beweist folgende Begebenheit: 2014 flüsterte der die Messe im Zuge des ‚Erntedankfestes’ der Salzburger Jägerschaft leitende Geistliche – im Angesicht eines für diesen Zwecke ermordet aufgebahrten Hirsches – der versammelten Masse unfassbare Worte zu, wo er die JägerInnen mit dem Verweis segnete, sie würden doch ‚das ganze Jahr hindurch so viel Gutes tun‘! Selbiger Diener Gottes, so dem Vernehmen, soll übrigens erst wenige Wochen zuvor den Jagdschein, die Lizenz zum Töten, erworben haben…

 

Wir werden erst Frieden mit der Schöpfung, und damit mit uns selbst, finden, wenn wir neue Wege beschreiten; wir laden die Kirche ein auf diesen Weg, laden sie ein zur Diskussion, zum Austausch. Es liegt an ihr, sich endlich abzuwenden von Selbstzerfressenheit und wieder dorthin zurück zu kehren, wo ‚Mensch‘ sie gerade in diesen Tagen am meisten braucht und was letztendlich ihre Bestimmung, ihr gottgegebener Auftrag ist – als leuchtendes Vorbild der Lehren Christi zu wirken, ein Beispiel zu geben wie es sein könnte, wenn wir alle wieder zurückkehren würden zum Ratsfeuer des Lebens und dort den uns gebührenden Platz einnehmen, gemeinsam mit unseren tierlichen Brüdern und Schwestern; die Augen beschämt zu Boden gerichtet um Verzeihung bittend, die Bestie in uns endlich zum Erliegen gebracht; und dieses Mal werden wir nicht als Zerstörer sondern als Bewahrer, als schützende Hand, erscheinen…

Wenn sich die Kirche aber anders entscheidet, uns ihre Stimme versagt, dann gehen wir diesen Weg alleine; und die ‚Heilige katholische Kirche’ wird endgültig und ohne Wiederkehr abrutschen in die Bedeutungslosigkeit. Ihre Führer werden sich einst ihrem Schöpfer stellen, erneut nackt und elend, und sich zu verantworten haben, sie, seine Stellvertreter, im Angesicht Abermilliarden von tierlichen Seelen, welche sie in dem Wahnsinn, dem allergrößten Verbrechen in einem an Schandtaten überreichen Erbe der Menschheit, als Schutzbefohlene so ganz allein gelassen hatten…

 

 

 

 

 

Wieder haben sich an den diesjährigen Tagen der Heiligen und der Seelen RespekTiere-Tierrechts-AktivistInnen eingefunden, um vor den Toren des größten Rinderschlachthofes Österreichs, in Bergheim bei Salzburg, der Getöteten zu gedenken. Sie sind schwarz oder blutigrot gekleidet – Totenkopfmasken tauchen die Szenerie in eine dem Anlass entsprechende Atmosphäre – und (kunst-)blutübergossen, im triefenden Gewand der Schlächter. Mit leuchtenden Fackeln erweisen sie den Seelen der Tiere ihre Ehre.

Heute ist der Tag der Seelen; und Seelen besitzen wir alle, jegliches Leben, ob tierlich, pflanzlich oder menschlich.

Vergessen wir nicht, untersagt die Kirche den Tieren, den Geknechteten, Gefolterten, Ausgebeuteten, Gemordeten, die Unterstützung, versagt sie in sich selbst; so weit so gut…

 

 

 

 

 

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