Wenn Hilfe gebraucht wird…sind wir da!!!

Jetzt sitzen wir also im Van, um endlich nach Frau Havranovra zu sehen; sie, die in den frühen 90er-Jahrendes letzten Jahrhunderts das erste Tierheim Bratislavas gegründet hat, war kürzlich von einem Unbekannten niedergeschlagen worden. Die Tierschützerin erlitt dabei schwere Verletzungen, ihre Hand ist bereits operiert worden und braucht noch mehrere chirurgische Nachbehandlungen. Was genau passiert ist, wir wissen es zu diesem Zeitpunkt gar nicht so genau; da Frau Havranovra kein Telefon mehr hat und es Verständigungsschwierigkeiten mit der Überbringerin der schlechten Nachricht gibt, müssen wir die derzeitige Sachlage selbst herausfinden. Jedenfalls erschallte ein lauter Hilferuf, welcher ein schnelles Handeln erfordert, und weil wir sowieso keine FreundInnen des Zögerns sind, finden wir uns nun auf der Ostautobahn wieder.
        Fotos: unfassbar viel hatten wir geladen (ein Teil der Güter aus dem Van kommt übernächte Woche mit nach Rumänien/Serbien)! Angefangen von den tollsten Lebensmitten bis hin zur wärmenden Kleidung – und natürlich Katzenfutter in rauen Mengen! 🙂   Frau Havranovra hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr aus der Gesellschaft zurückgezogen, von Depressionen geplagt. Die vielen Probleme um ihr Katzenparadies haben sie beinahe gebrochen, Lichtblicke gab es immer wieder, doch genau so schnell wie sie aufgetaucht, erloschen sie dann auch wieder.
Die einzige Konstante in dieser so traurigen Episode ist RespekTiere; schon bald nach der Jahrtausendwende sollten wir das erste Mal bei der damals noch so starken Frau gewesen sein, und seither sind wir mehrmals im Jahr gekommen, um die Katzen mit Futter, das Heim mit Wärme, und Frau Havranovra mit dem Nötigen zu versorgen. Auch Kastrationseinsätze haben wir durchgeführt, einmal mit der so engagierten Tierärztin Dr. Birgit Angerer beispielsweise, und auch ein großes zusammen mit unserem Dr. Facharani! Die fehlenden Dachschindeln neu zu decken war unsere Aufgabe, Bäume zu beschneiden, die Freigehege auszubessern – noch wichtiger aber waren bestimmt die Auftritte vor dem Parlament (wobei wir die Schließung des Asyls verhindern konnten), sowie diverse Fernseh-Interviews zur Erhaltung des Katzenparadieses. Der Ort ist den StadtvertreterInnen nämlich anscheinend ein Dorn im Auge, das Grundstück eine Menge Geld wert, die Tierliebe doch nicht groß genug, um so eine Herberge weiter zu unterhalten. Alle Gelder wurden gestrichen, seit zwei Jahren lebt die ‚Katzenmutter‘ deshalb von der Hand im Mund.
            Fotos: Kastrationseinsatz mit Dr. Facharani (www.tierarzt-facharani.de)! Reihe zwei: Interviews mit lokalen Medien, rechts: vor dem Kongress! darunter: Dr. Birgit Angerer, immer sofort bereit ehrenamtlich armen Tieren zu helfen; Dr. Angerer hat übrigens auch eine eigene mobile Tierarztpraxis gegründet, kommt zu Ihnen nach Hause (Raum Wien; www.tierarztmobil.at))!!! rechts: respekTIERE IN NOT-Team nach einem winterlichen Einsatz bei Frau Havranovra   Und jetzt auch noch diese miese Geschichte! Angeblich hat der Angreifer die Schlüssel entwendet und die Katzen allesamt vor die Tür gesetzt. Sie dürften inzwischen dem Himmel sei Dank aber wieder eingefangen sein, bzw. ihr Heim nicht wirklich verlassen haben.

Beladen ist unser Auto mit jeder Menge an Katzenfutter, aber auch Lebensmittel für Frau Havranovra haben wir mit, Kleidung sowieso. Zudem werden wir in der Slowakei-Metropole auch noch Heizmaterial kaufen – all das haben Sie möglich gemacht, ganz viele Sachspenden sind seit gestern noch bei uns eingetrudelt! Einmal mehr gilt der RespekTiere-Familie unser ganzer Dank, so wunderschön zu wissen, wenn Hilfe gebraucht wird, ist auf Sie immer Verlass!!!
    Was wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen konnten, der Tag sollte ein schwieriger werden, ein solcher, der letztendlich zwar viel Gutes gebracht haben wird, wo dann allerdings die Umsetzung der einzelnen Aufgaben jeweils ungeahnte Herausforderungen mit sich zog!
Aber der Reihe nach: am Weg nach Bratislava galt es noch in Tulln an der Donau einen Zwischenstopp einzulegen; dort ist eine Kuh in Not, untergebracht seit vielen Jahren in einer Haltung, welche von ‚artgerecht‘ meilenweit entfernt ist. Leider funktionierte die Recherche dazu heute nicht wirklich, die Bauernleute zu aufmerksam – aber davon werden wir später erzählen, dann, wenn die Beweis-Erfassung doch noch geglückt ist…
Wäre ein Misserfolg nicht genug, gab es jetzt Probleme mit dem Auto – die Motorkontroll-LED leuchtete plötzlich auf, mit schrillem Alarmsignal zuerst, dann warnte ein dauerpräsentes Licht vor möglichem Schaden; also musste eine Autoreparatur-Werkstätte angefahren werden, welche das Problem aber schnell beheben konnte.
In Wien angekommen, stieg einmal mehr Cosma zu, bereit für den neuerlichen Osteinsatz! Zwischendurch mussten wir in Folge auch noch mehrmals halten, galt es doch, zusätzliche Lebensmittel für die inzwischen mittellose Frau Havranovra sowie auch Katzenfutter in Dosen in verschiedenen Geschäften zu besorgen.
              Foto: Bratislava ist eine boomende Stadt – die neue Skyline schießt in den Himmel! Mit dem permanenten Wachstum hält die Tierleibe leider nicht Schritt, wie das Beispiel ‚Frau Havranovra‘ zeigt…   Nun endlich schien alles erledigt, die Uhrzeit leider schon fortgeschritten, aber immer noch mochten wir alle Vorhaben im annehmbaren Rahmen umsetzen. Schnell erreichten wir auch die slowakische Metropole, dort allerdings stoppte uns der aufkommende Nachmittagsverkehr jäh und holte uns auf den Boden der Tatsache zurück. Nicht einmal im Schritttempo ging es weiter, und letztendlich legte die Dunkelheit bereits ihre Schleier über die Stadt, als wir bei Frau Havranovra im Katzenparadies eintrafen!
      Frau Havranovra und Viola, ‚unsere‘ unbezahlbare Übersetzerin (Viola hat die meiste Zeit ihres Lebens in den USA verbracht, ist erst kürzlich aus den Staaten in ihr Geburtsland zurückgekehrt) sowie ein Freund der Katzenmama erwarten uns bereits, durchgefroren, im Finstern der beginnenden Nacht. Ja, die nächste bittere Pille folgte auf den Fuß – es gibt keinen Strom mehr im Asyl! Im Stockdunkeln begannen wir daher die mitgebrachten Waren auszuladen, zum Sortieren blieb nun keine Zeit. Bald stapelten sich die Kisten und Säcke im Inneren des kalten Vorraumes, die einzige Lichtquelle geliefert von unseren Mobiltelefonen. Was wir alles bringen durften: angefangen von den Körperpflegemitteln, über die warme Kleidung, Wärmespeicher, Lebensmittel für Mensch und Tier und Hülle und Fülle, und sogar einen Sack Kohle – ein Geschenk eines Freundes meines Vaters – hatten wir mit!
Die Eiseskälte machten allen zu schaffen, aber besonders Frau Havranovra und die Ihren litten darunter; im durchfrorenen Raum saßen sie schon zwei Stunden vor unserer Ankunft, während wir noch im Verkehr feststeckten!
Jetzt hören wir auch erstmals die wirklich unfassbare Geschichte der vergangenen Tragödie: wie gestern bereits berichtet, ein Mann hatte die Katzenmutter überfallen, und zwar hier, in diese Räume ist er eingedrungen!!!! Mit voller Wucht hat der Täter dann auf die Wehrlose eingeschlagen, und als sie bereits am Boden lag, ist er noch mehrmals auf ihre Hand gestiegen. Ein komplizierter Bruch war die Folge, eine Fraktur, die mehrere Operationen nach sich zog. Der Berserker hörte dann plötzlich mit dem Schlagen auf, aber nur, um die Türen zu den Katzenräumen zu öffnen. Er verließ anschließend das Haus und riss dabei auch noch das Zugangstor an der Straße aus der Verankerung, wohl um das letzte bisschen Schutzgefühl ein für alle Mal zu zerstören. ‚Ganz so, als ob er sagen wollte: ‚Du kannst Dich nicht vor uns verschließen, es gibt keinen Schutz!‘…
      Notdürftig sind die gröbsten Schäden nun geflickt, die Katzen wieder eingefangen, die Hand mit einem dicken Gips versehen; aber die Schrammen an der Seele, die werden Frau Havranovra wohl bis ans Ende ihrer Tage begleiten… Wer der Einbrecher war, warum er so schrecklich wütete, wir werden es vielleicht nie erfahren. Fest steht, viele Menschen, vor allem solche auch aus der hohen Politik, möchten Frau Havranovra entfernt von jenem Platz wissen; es gab auch dementsprechende Drohungen in der Vergangenheit. Ob der jetzige komplette Stromausfall der nächste Schritt auf der Eskalationsstufe ist, ein Weg, um sie vom Asyl endgültig zu vertreiben, der Schluss würde naheliegen – aber Vermutungen anzustellen, ist nicht unsere Sache. Wäre es aber so, die Verbrecher haben ohnehin eine falsche Rechnung angestellt; denn Frau Havranovra, in die Enge gedrängt, körperlich und geistig fast gebrochen, sie hat nichts mehr zu verlieren. Und gerade deshalb wird sie das Haus nicht verlassen, zumindest nicht aufrecht gehend…
Die Polizei ermittelt, tappt aber völlig im Dunkeln; ob der Amtsapparat Licht in die Angelegenheit bringen kann, es mag bezweifelt werden. Besonders im Angesicht der Tatsachen, wo wohl vielen einflussreichen Personen so gar nichts an einer Aufklärung liegt. Die einzige Hoffnung: das muss es nun gewesen sein mit den vermeintlichen ‚Einschüchterungsversuchen‘, denn was könnte das Ganze noch toppen? Wir mögen gar nicht darüber nachdenken (schrecklich, mysteriös, ist auch jener Fakt: Frau Havranovra hatte bis vor zwei, drei Jahren einen ganz fantastischen Helfer, einen jungen Mann geflüchtet aus Eritrea; Simon hieß der Gute, ein Tierfreund erster Klasse. Simon suchte um die slowakische Staatsbürgerschaft an, konnte die Landessprache schon gut sprechen, bekam einen Job – bis er verschwand. Von einer Sekunde auf die andere. Nie wieder wurde er gesehen, kein Hinweis (nur ein leerer Rucksack in einem Waldstück), kein Nichts. Verschwunden, aufgesogen von der Kälte der Nacht; alle Versuche der Polizei, einen möglichen Aufenthaltsort ausfindig zu machen, schlugen fehl. Ein schweres Verbrechen ist nicht nur ‚nicht ausgeschlossen‘, die Behörden gehen davon aus…)!

Worüber wir uns aber nun den Kopf zerbrechen, ist, wie wir mehr Heizmaterial beschaffen; der eine Sack Kohle, der reicht zwar für die folgenden Tage, aber eine Lösung stellt er natürlich in kleinster Form dar. Irgendwie finden wir aber nicht den gerechten Ansatz; Frau Havranovra und Viola meinen, es gäbe keinen Lieferanten, der Wärmespendendes auf Lieferschein bringen würden, wo wir dann die anfallende Rechnung von zu Hause aus übernehmen könnten – nicht, dass das mit dem Lieferschein, der Rechnung ein Problem wäre, anscheinend existiert kein einziger Anbieter, der solche Dinge zur Haustür bringt…

Wir haben noch einen Termin an diesem ereignisreichen Tag: endlich sollen wir wieder Anna treffen, den guten Engel Bratislavas. Anna hat zum Beispiel Frau Havranovra über die Jahre hinweg immens unterstützt, doch ein bitterer Streit beendete die Zusammenarbeit; die Gute hilft aber dennoch, nun im Versteckten. Frau Havranovra soll nicht wissen, dass sie weiterhin Katzenfutter und dergleichen besorgt, bezahlt mit ihrer ohnehin viel zu geringen Pension, und über uns zu den Tieren bringen lässt! 🙂  Nebenbei ist sie auch sehr geschickt in der Improvisation, und so sind wir sicher, sie wird eine entsprechende Lösung für das Heizproblem finden!
Es gilt sich zu verabschieden; mit Tränen in den Augen drückt uns Frau Havranovra an sich, tausend Dank, tausend Dank an Sie, liebe Spenderinnen und Spender – einfach großartig, für die Katzenfrau, das ist sicher, ist wohl heute schon Weihnachten!!!
              Fotos: oben, Viola und Frau Havranovra, mit neuen Mützen, Schals und Plüschjacken für die Katzenmutter!   Eine halbe Stunde später sitzen wir im Wohnzimmer der wunderbaren Anna. Es gäbe so viel zu erzählen, aber leider fehlt heute die Zeit – es ist nun schon nach 19 Uhr abends! Letztendlich, nach einer halben Stunde herzerwärmenden Geschichten-Austausches (so viel Zeit muss sein), steht dann auch fest: Frau Havranovra und Viola lagen richtig, niemand wird Holz oder Kohle zum Asyl liefern, niemand außer uns selbst!
Dem Himmel sei Dank werden im Osten die Laden-Öffnungszeiten sehr liberal gehandhabt. Dennoch gilt es sich etwas zu beeilen, denn gelingt das Vorhaben, der Einkauf, nun nicht mehr, dann steht dem Asyl eine kalte Woche bevor, so sicher wie das Amen im Gebet!
So sitzen wir bald wieder im Wagen, übermüdet und ausgelaugt; es hilft nichts, wir müssen zum nächsten Baumarkt und dann wieder zurück zum Asyl, um wenigstens 200 kg der begehrten Güter direkt hinzubringen!
Die Einkaufswagen sind schnell beladen, der Rückraum des braven Wagens zum Bersten gefüllt, nun zum zweiten Mal innerhalb eines Tages: zuerst mit Lebensmitteln, jetzt mit Heizmaterial!
            Fotos, oben: links, eben erst in Annas Wohnzimmer (Viola mit Annas Liebling), dann schon (rechts) im Baumarkt!     Eine wichtige Sache gilt es noch zu erledigen: unsere traditionellen Straßentier-Demos im Ausland! Weil die Zeit drängt, suchen wir gar nicht lange nach einem geeigneten Platz – hier vor der Baumarktfiliale herrscht reges Treiben, der Parkplatz überfüllt, viele Menschen sind unterwegs – was will man mehr? Und so sehen die alsbald einen Aktivisten in Hundemaske, ein Transparent haltend, wo in dicken Lettern geschrieben steht: ‚Death Penalty for Innocents? Stop Killing Stray Dogs!!!‘
      Foto: Kundgebung vor Ort!     Zurück beim Asyl möchten wir Frau Havranovra ob der späten Stunde nicht mehr wecken; helfen kann sie beim Tragen sowieso nicht, mit ihrer Verletzung ist Ruhe und Rast geboten! Nun kommt uns sogar das geknickte Tor zugute, wir können es ohne größter Probleme aus den Angel heben – und so das Heizmaterial direkt zum kleinen Häuschen schleppen! Unter dem Fenster, drinnen hören wir Frau Havranovra unruhig schlafen, lagern wir die verschiedenen Briketts und ziehen uns ungehört zurück.
Ja, sie wird sich freuen morgen früh, bekreuzigen, wenn sie die Türe öffnet, und das zusätzliche Geschenk auf sie wartend vorfindet!
Auch wenn ihr schrecklich mitgespielt worden ist, Frau Havranovra weiß, da draußen gibt es jemanden, der/die sich um sie kümmern, was die Zeit auch bringen mag. Und wieviel ein solches Wissen wert ist, wer mag es in Frage stellen?!

Von ganzem Herzen ‚DANKE‘!!!!
        Fotos: ‚Wärme gespendet‘, im wahrsten Sinne des Wortes!      
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