Hohe Jagd 2018

Hohe Jagd 2018

 

Zu tausenden waren sie wieder gekommen, grünberockter Einheitsbrei, um sich wie eine giftige Masse im Salzburger Messegelände auszubreiten – die ‚Hohe Jagd‘ hatte am Wochenende ihre Pforten geöffnet, vier Tage des Frönens eines blutigen Überbleibsels aus steinzeitlicher Periode waren angesagt…

Schon an den frühen Vormittagen sollten sämtliche Parkplätze besetzt sein, von nah und fern herangereiste Jägerschaft, nur ja keine Augenblicke von Großereignis des Jahres (die umfangreichste derartige Messeveranstaltung im gesamten Alpen-Adria-Donau-Raum) versäumen wollend.

 

Mehrere Messehallen präsentierten sich dann einmal mehr als Horrorkabinett für Ewiggestrige, überlastet mit Leichen und Teilen deren. Die Wände behangen mit ausgestopften Köpfen, Mahnmale einer niederen Entwicklungsstufe, ein Überangebot von Jagdreisen in ferne Länder, wo auch vom Leben betrogene, ausgestattet mit akutesten Schwächen auf physiologischer und psychologischer Ebene, oft vom Körperverfall gezeichnete Individuen der ‚Bestie Tier‘ im gleichwertigen Kampf Unschuld gegen Wahnsinn gegenüberstehen können; nur dass die eine Seite praktisch wehrlos, ganz sicher rechtlos, ist, während die andere ausgestattet mit allen technischen Raffinessen und modernster Waffentechnologie ihre Aufwartung macht, wird dabei allzu gerne verschwiegen. Vom sicheren Standplatz aus – oft sogar in einem Auto sitzend – kann betuchte Gesellschaft selbst den König der Tiere völlig gefahrlos über den Haufen schießen kann, die letzten Elefanten morden, Giraffen töten. Warum? Weil Geld die Welt reagiert und weil der kleine Geist sich an großen Aufgaben versucht, dabei standesgemäß kläglich versagt; JägerIn fühlt sich doch tatsächlich als BewahrerIn, mit nahezu unglaublichen Irrwitz und gnadenloser Ironie ausgestattet behauptet das Häufchen geistig Elend dann auch noch oft sein/ihr Tun verbessert die Welt, bringt er/sie doch eine Menge Bargeld in oft hinter der Weltwirtschaft herhinkende ferne Länder…

 

 

   
   
   

 

 

Und nicht nur das, wird doch auch die durchwegs arme Bevölkerung völlig selbstlos mit dem Fleisch der Ermordeten versorgt; also, so hören wir, sind Jagdreisen eigentlich als Akt der Menschlichkeit, der absoluten Humanität zu verstehen – ist’s Satire oder glaubt JägerIn solch gebügelten Schwachsinn auch wirklich, wenn er/sie ganz in Kolonialmacht-Manier herumstolziert, während schon im nächsten Dorf Kinder an der Allmacht Industrienation verhungern? Wissen Sie, dass ein Abschuss eines der mächtigen Tiere Afrikas zehntausende Euros kosten kann? Und wissen Sie, dass in Afrika oft mit einem Euro täglich ein Kinderleben gesichert werden könnte? Also warum, immer mit der vorgegeben heheren Absicht die Welt zu verbessern, investiert man dann nicht direkt in die Ärmsten der Armen, setzt das Töten von völlig Unschuldigen aus????? Warum verkauft man die Allgemein-Bevölkerung für gänzlich dämlich, wenn die untragbare Mär des ‚Viel mehr Heger als Jäger‘ heruntergeleiert wird? Ist’s nicht ‚viel mehr‘ so, dass mann/frau sich stolz und mutig fühlt, wenn beschränkter ‚Mensch‘ einem Fotografen zulächelnd, über dem toten Wesen kniet? Dabei ist ‚JägerIn doch immer nur ein/e gejagte/r seiner/ihrer selbst. Mit eigener Minderwertigkeit nicht zu Rande kommend, versucht man über den Tod des Mitlebewesens das Ego zu polieren, trophäengeschmückt, ein Poster der Mordtat verziert dann die Hauswand – oder das Brett vor dem Kopf.

Übrigens: immer wieder wird der Zusammenhang zwischen Jagd, Alkohol und dem Rotlichtgewerbe vehement bestritten; warum aber stehen die Anbieter von käuflicher Liebe beim riesigen Jägertreffen mit ihren Werbefahrzeugen immer ‚Gewehr bei Fuß‘, parken die eindeutigen Edelkarossen unübersehbar möglichst nahe zum Zugang der Ausstellungshallen – und lassen sie dort volle 4 Tage parken?

 

Ein Gang durch Hallen voller ausgestopfter Leichen verdeutlich fühlenden Menschen nur allzu schnell die Psyche dieser Gesellschaft; hier wird alles geboten, von der Falle bis zum hochmodernen Automatikgewehr, vom Bogen hin zum Geländefahrzeug, ein Motorschlitten, der jene mit der Lust zum Morden ausgestattete in kürzester Zeit bis hin in die entlegensten Winkeln dieser Welt bringen kann – selbst die, die ansonsten kaum mehr einen Schritt zu Fuß bewältigen, von der eigenen Körperfülle oder dem Alter bereits tunlichst überrumpelt. Jeeps kann man kaufen, wo der Hochstand gleich als ‚Gepäcksstück‘ inkludiert ist, sodass man den Ansitz hochfelxibel gestalten kann…

 

 

   
   
   

Fotos: 2. Reihe links – Bordell-Besitzer werben um Kunden; da sie dies jedes Jahr massiv bei der Hohen Jagd tun, dürften sie bei jenem Klientel besonders erfolgreich sein… rechts: ob’s der Herrgott (im Hintergrund) genauso lustig findet wie die versammelte Jägerschaft?

Wie erklärt man es den Unwissenden, wenn in den letzten Jahren zum Beispiel am Stand der Bogenjäger-Vereinigung Austria ein Video lief, welches wohl die ‚Schönheit‘ des absurden Tuns zeigen sollte – von Kopf bis Fuß in Tarnkleidung gehüllt, verstecken sich die modernen MörderInnen im Wald, lauern dort ihren Opfern auf, senden tödliche Pfeile; im Film sah man mehrere ‚Jagderfolge‘, ganz sicher dann nur jene, die noch zu den schnellsten ‚Erfolgen‘, sprich Tötungen führten, dennoch, jede einzelne Tat zieht einen langen Todeskampf mit sich. Hier gibt es nämlich kaum ein schnelles Sterben, ‚Blattschuss‘ als Wunschdenken, schwerstverletzt versuchen die Opfer davon zu stürmen, brechen nach hundert Metern Fluchtversuch jedoch zusammen, wälzen sich im Todeskampf schmerz- und panikerfüllt für Augenblicke der Ewigkeit am Boden, hauchen langsam und qualvoll ihr Leben aus. Staunend beobachtete es die grüne Masse, lusterfüllt, sich am Leid ergötzend.

Fotos: die Mordlust macht auch vor Frauen nicht halt; sogar eigene Frauenjagdreisen, inkl. ‚Heiße Sauna‘ und Wellness, werden angeboten. Im Bild rechts: selbst Kindern oder Jugendlichen wird das Töten verherrlicht…

Ostjagd, wieder läuft ein schreckliches Video, welches einst ungeschnitten in die Annalen der menschlichen Schwarzbücher eingehen wird; ein Eber wird im vollen Lauf getroffen, eine kleine Metallkugel prallt in einen Körper berstenden Lebens – in Superzeitlupe, jeden Moment des Todeskampfes auskosten wollend, wird der Aufprall des tödlichen Fremdkörpers gezeigt, die ‚Füße des Tieres brechen weg, es strauchelt, fällt, erhebt sich nochmals, versucht zu entkommen, chancenlos; in einem Blutsee haucht er sein Leben aus und das letzte was dieses wunderbare Wesen hören wird ist der Triumphschrei seines Mörders.

 

Fotos: die so ekelerregende Elefantenjagd, besonders gern gebucht von jenen, die im echten Leben versagt haben; jenen, die bei der Vergabe des Gehirns zu kurz gekommen sind, bei jener des Geschlechtsorgans buchstäblich…

Dutzende Anbieter präsentieren Waffen, ein Arsenal welches jeder Terror-Organisation zu Ehre gereichen würde. Vor allem Jugendliche und viele Kinder zeigen sich magisch fasziniert von diesen Boten des Todes, hantieren ungestört von den AusstellerInnen an Revolvern und Gewehren, laden durch, zielen; fühlen sich versetzt in ihre Welt der Computerspiele, wo das Töten so selbstverständlich ist wie ansonsten das Zähneputzen.

 

 

   
   

Fotos: jedes Jahr prangern wir es an, jedes Jahr dennoch dasselbe Bild: Kinder und Jugendliche hantieren fasziniert und völlig unbeachtet – manchmal auch von den Eltern dazu ermutigt – an todbringenden Waffen; ein Junge spannt mit starrem Blick einen Revoler, hunderte Male, richtet ihn auf vorbeigehende Menschen, drückt mit kaltem Blick ab – tolerierbar? Entscheiden Sie!

An einem Stand kann man auf über die große Leinwand laufende Tiere schießen; Der Laser zeigt die Einschussstelle, ein blutig roter Punkt am Wildschwein verdeutlicht, wenn man getroffen hat; die Tiere fallen lebensecht, ein Johlen geht durch die Zuschauermenge. Vor allem Kinder, oft angetrieben von den Eltern, versuchen diese Blattschüsse zu meistern; das Personal hilft breitwillig beim richtigen Anlegen des Gewehrkolbens, lehrt den manchmal noch Kleinkindern den richtigen Umgang mit der Waffe…

 

 

   

 

Fotos: verantwortungsvoller Umgang? Oder eher unfassbare Verantwortungslosigkeit? Die Standbetreiberin dürfte die Antwort wissen, ebenfalls versuchte sie den Fotografen zu behindern…

Vor den Hallen präsentiert sich die Messe über eine gänzlich andere Welt – RespekTiere-AktivistInnen verteilen Flugblätter, informieren, regen zum Nachdenken an. Ein Infostand zieht sich über 25 Meter entlang der Messehalle, der ‚Lusttöter‘ vom so großartigen Brennglas-Verlag findet reisenden Anklang (zu bestellen unter info@brennglas.de!). Auch die unfassbar großartigen Infobroschüren unseres deutschen Partnervereins ‚Pro Iure Animalis‘ (www.pro-iure-animalis.de) zeigen in aller Deutlichkeit den ganzen Wahnsinn eines furchtbaren ‚Hobbys‘ auf…

 

 

   

Ein toter (Stoff-)Hund, blutgetränkt, verkündet mittels Infoblatt: ‚Ich habe Angst vor Jägern! In Österreich werden jedes Jahr rund 3 000 – 4 000 Hunde und rund 40 000 Katzen von Jägern erschossen!‘. Ein Dutzend Spruchbänder und Transparente schreien den BesucherInnen entgegen, ‚Schande, Schande, Mörderband‘, ‚Tradition ist keine Rechtfertigung für Tierquälerei‘, ‚Ehrfurcht vor dem Leben ist Abscheu vor dem Töten‘ und vieles mehr lesen wir da.

Es ist so kalt, besonders am Sonntag, dass sogar der Tee in der Tasse, während eines Gespräches kurz abgestellt, gefriert. Gevatter Tod erwartet trotzdem die BesucherInnen, hält eine Tafel ‚Welcome to my paradise‘; an der Sense baumelt ein Fuchsfell im Wind, unbeirrt hält er auch im strömenden Regen seine Stellung. Eine Aktivistin mit Hasenmaske zeigt eine Tafel, auf welcher gezeigt wird, wie denn die ‚Überpopulation‘ geregelt werden kann – ein Hase hält sein Gewehr auf eine Gruppe JägerInnen gerichtet… während ihr mitgebrachtes Gewehr auf einen toten Jäger zu ihren Füßen deutet, der mit leichenstarren Fingern blutüberströmt selbst im Tod an seiner Hauptnahrung, dem ‚Jägermeister‘, festgehalten hat – ein Tannenzweig in seinem Mund versinnbildlicht den ach so sinn- und wertvollen Brauch….

 

Natürlich setzte es gar heftige Wortgefechte mit der Jägerschar, aber dass auf einer ‚Jägermesse‘ dann auch die eine oder andere Münze in unsere Spendenboxen landet, spricht – all jene welche selbiges je versucht hatten, werden dem beipflichten – doch eine deutliche Sprache:)

 

Was uns an Kuriositäten entgegengeworfen worden war, ist ja schier unbeschreiblich, könnte Bücher füllen; ein junger Mann beispielsweise grölt aus der Entfernung: ‚Ich liebe Töten!‘. Aus einem vorbeifahrenden Auto ertönen lange und laute ‚Buhhh‘-Rufe, ‚arbeitscheues Gesindel‘ (am Sonntag-Nachmittag wohlgemerkt, wo der Rufende ganz nebenbei der Freizeit fröhnt, während die Beschimpften in ehrenamtlicher Tätigkeit bei harten Minusgraden stundenlang in der Kälte stehen).

Die Aktivistinnen werden durchwegs als ‚hübsch, aber dumm‘ bezeichnet, und ‚Ihr gehörts doch alle an die Wand gestellt‘, ist dann noch ein harmloserer Ausdruck der Mißgunst, mit welcher wir konfrontiert werden. Außerdem wären wir völlig fehl am Platz, wir sollten doch lieber zum nächsten Schlachthof fahren und dort vor der Tür stehen; ja, von dort wären wir soeben gekommen, so die Antwort, weil die gesagt haben,  ‚warum seid Ihr heute nicht bei der Jagdmesse, da sind die Lusttöter versammelt, dort müsst Ihr demonstrieren’…

 

Zwei Beispiele aus vergangenen Jahren sollen hier ebenfalls Platz finden, um zu verdeutlichen, wie denn die hoffentlich vom Aussterben bedrohte ‚Rasse‘ der Grünröcke tickt: ‚All das in der Massentierhaltung, da muss man sich drüber aufregen! Was da passiert, da müsst Ihr protestieren (immer sind die anderen Schuld, Anm.; ob besagter Sprecher dann aber deren ‚Produkte‘ nicht auch selbst konsumiert, bleibt offen, ist dennoch sehr wahrscheinlich) aber doch nicht bei der Jagd oder der Fischerei! Sehen Sie, die großen Fischkutter, wenn die Fische fangen, da leben welche noch stundenlang; aber wir, wir nehmen eine Stange oder einen Stock und schlagen auf den Kopf ein, bei jedem einzelnen Fisch, so lange bis er tot ist. Dass ist artgerechtes Töten!‘ Hat die Welt so etwas schon gehört? Artgerechtes Töten! Ob dieser Sprachgebrauch je Eingang in den Duden finden wird? Oder: ‚Was, Ihr wollt die Fuchsjagd verbieten? Ihr tut damit am meisten den Hunden weh! Wisst Ihr welche Freude mein Hund hat, wenn er in den Bau rein darf? Der freut sich so irrsinnig, und das wollt ihr ihm wegnehmen?‘ Und zum Abschluss, damals wie heute, dann noch ein sehr interessanter Wortwechsel zwischen einem Jäger und einer Aktivistin. Jäger mit süffisantem Lächeln, so als ob er jetzt mit der Weltweisheit argumentieren, einem Faktum, welches uns jetzt sofort und für alle Zeiten mundtot machen würde: ‚Wisst Ihr, dass z. B. Hilter Vegetarier war?‘ Ufff… Antwort der Aktivistin: ‚Ja und wissen Sie, dass Stalin Fleischfresser war (genauso wie Göbbels, Göring, Mengele und wie sie alle heißen und bestimmt 99 % der Mitglieder der NSDAP und der SS dazu, Anm.)?‘ Dem gibt es dann wohl nichts hinzuzufügen…

 

Ein herzliches ‚Dankeschön‘ gilt dem Veranstaltungsort, der Reed-Messe, welche die Kundgebungen auf ihrem Gelände genehmigte; selbstverständlich ist das nämlich beileibe nicht, ganz sicher wäre es einfacher, die Gegenstimme zu untersagen und damit der (so sicher wie das Amen im Gebet den Demos folgende) Konfrontation mit der Jägerschaft auszuweichen. Doch die Reed-Messe beweist wie jedes Jahr echte Moral, und diese Tatsache gilt es mehr als nur zu würdigen!

 

 

 

 

 

 

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